Facebook-Seite der Bundesregierung datenschutzwidrig?
Zuletzt aktualisiert am 13. August 2026
Großes Aufsehen erregt folgende Aussage: Der Betrieb von Facebook-Fanseiten steht im Widerspruch zur DSGVO. Die Bundesregierung hat aber weiter eine solche Facebook-Präsenz, die vom Bundespresseamt betrieben wird. Gegen das Bundespresseamt ermittelt nun der Bundesdatenschutzbeauftragte.
Was macht Facebook-Fanseiten datenschutzwidrig?
Für viele Unternehmen und öffentliche Stellen ist die eigene Facebook-Seite ein großer Teil der eigenen Öffentlichkeitsarbeit. Einmal eingerichtet können hier vielseitige Informationen mit einer breiten Community geteilt werden. So erreicht die Bundesregierung, deren Präsenz das Bundespresseamt verwaltet, regelmäßig fast eine Million Menschen über das Netzwerk.
Das datenschutzrechtliche Problem ist: Besucht jemand irgendeine Website, auf der der „Gefällt mir“- oder „Teilen“-Button von Facebook zu finden ist, legt Facebook auf dessen Computer einen Cookie. So kann das amerikanische Unternehmen das Surf-verhalten des Nutzers analysieren. Dafür muss der Nutzer nicht einmal eigenes Nutzerkonto haben.
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→ Leistungen ansehenErsteinschätzung anfragenMit den gesammelten Daten können dann Profile erstellt werden. Diese wiederum dienen Werbetreibenden für die gezieltere Schaltung von Werbung. Die Verarbeitung der Daten zu diesem Zweck findet auf Servern in den USA statt.
Kritik durch Datenschützer
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber sieht in diesen Facebook-Fanseiten eine Verarbeitung personenbezogener Daten ohne Einwilligung der Betroffenen und ohne rechtliche Grundlage.
Gegen das Bundespresseamt, das die Facebook-Seite der Bundesregierung betreibt, hat Kelber nun ein Verfahren eröffnet. Im Zuge dessen wurde das Amt aufgefordert, bis Mitte August eine Stellungnahme abzugeben.
Auch andere Ministerien und Bundesbehörden betreiben trotzdem weiter ihre Facebook-Seiten und verstoßen damit gegen Art. 5 II DSGVO. Einzelne Datenschutzbeauftragte der Bundesländer haben nun auch schon mehrfach die Abschaltung der entsprechenden Regierungsseiten gefordert. Um trotzdem Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, legen Datenschützer den Ausbau eigener Webseiten oder die Präsentation in datenschutzkonformen Netzwerken nahe.
All diese datenschutzrechtlichen Erwägungen gelten natürlich nicht nur für öffentliche Stellen und Regierungen, sondern auch für Online-Shops, Agenturen und Unternehmen.
Rechtliche Grundlagen: Das EuGH-Urteil zu Facebook-Fanseiten
Die datenschutzrechtliche Problematik von Facebook-Fanseiten geht auf ein wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahr 2018 zurück (Rechtssache C-210/16). In diesem Urteil stellte der EuGH fest, dass Betreiber von Facebook-Fanseiten gemeinsam mit Facebook für die Verarbeitung personenbezogener Daten verantwortlich sind.
Dies bedeutet, dass nicht nur Facebook selbst, sondern auch der Betreiber der Fanseite die datenschutzrechtlichen Anforderungen der DSGVO erfüllen muss. Der Seitenbetreiber muss insbesondere die Informationspflichten nach Art. 13 DSGVO erfüllen, eine wirksame Datenschutzerklärung bereitstellen und sicherstellen, dass die Datenverarbeitung auf einer gültigen Rechtsgrundlage beruht.
Gemeinsame Verantwortlichkeit nach Art. 26 DSGVO
Die gemeinsame Verantwortlichkeit von Facebook und dem Seitenbetreiber erfordert nach Art. 26 DSGVO eine Vereinbarung zwischen den Parteien, die festlegt, wer welche Pflichten nach der DSGVO erfüllt. Facebook stellt hierfür das sogenannte Page Controller Addendum bereit, in dem die Verantwortlichkeiten aufgeteilt werden.
Kritiker bemängeln jedoch, dass diese Vereinbarung den Seitenbetreibern keinen ausreichenden Einfluss auf die Datenverarbeitung durch Facebook einräumt. Der Seitenbetreiber hat faktisch keine Möglichkeit, die Datenverarbeitung durch Facebook zu kontrollieren oder einzuschränken. Er kann weder einsehen, welche Daten Facebook konkret erhebt, noch kann er die Löschung von Daten veranlassen.
Die Rolle der Aufsichtsbehörden
Die deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden haben wiederholt darauf hingewiesen, dass der Betrieb von Facebook-Fanseiten unter den aktuellen Bedingungen nicht DSGVO-konform möglich ist. Die Datenschutzkonferenz (DSK), das Gremium der deutschen Aufsichtsbehörden, veröffentlichte bereits mehrere Beschlüsse zu diesem Thema.
Besonders aktiv war der schleswig-holsteinische Landesdatenschutzbeauftragte, der bereits den ursprünglichen Fall der Wirtschaftsakademie vor den EuGH gebracht hatte. Andere Landesbehörden haben öffentliche Stellen aufgefordert, ihre Facebook-Auftritte zu deaktivieren.
Praktische Auswirkungen für Unternehmen
Die datenschutzrechtlichen Bedenken gegen Facebook-Fanseiten betreffen nicht nur öffentliche Stellen, sondern auch private Unternehmen. Jeder Betreiber einer Facebook-Seite muss sich bewusst sein, dass er als gemeinsam Verantwortlicher für die Datenverarbeitung durch Facebook haftet. Unternehmen sollten daher folgende Maßnahmen umsetzen:
- Erstellung einer vollständigen Datenschutzerklärung für die Facebook-Seite
- Abschluss des Page Controller Addendums mit Facebook
- Aufnahme der Facebook-Fanseite in das Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten
- Durchführung einer Datenschutz-Folgenabschätzung
- Prüfung alternativer, datenschutzkonformer Kommunikationskanäle
Alternativen zu Facebook-Fanseiten
Angesichts der datenschutzrechtlichen Probleme suchen viele Unternehmen und Behörden nach Alternativen. Datenschutzkonformere Optionen umfassen den Ausbau der eigenen Website mit Blog– und News-Funktionen, die Nutzung datenschutzfreundlicher Social-Media-Plattformen wie Mastodon, den Aufbau eigener Newsletter-Systeme mit rechtskonformem Einwilligungsmanagement sowie die Nutzung von Business-Netzwerken wie LinkedIn.
Datenschutz-Folgenabschätzung für Social-Media-Auftritte
Für den Betrieb einer Facebook-Fanseite ist nach Art. 35 DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) durchzuführen. Diese muss die Risiken der Datenverarbeitung für die Rechte und Freiheiten der betroffenen Personen systematisch bewerten. Insbesondere die Erstellung von Nutzerprofilen durch Facebook und die Übermittlung von Daten in die USA stellen erhebliche Risiken dar, die in der DSFA berücksichtigt werden müssen.
Die DSFA sollte dokumentieren, welche personenbezogenen Daten durch den Betrieb der Fanseite verarbeitet werden, auf welcher Rechtsgrundlage diese Verarbeitung erfolgt, welche Risiken für die Betroffenen bestehen und welche Maßnahmen zur Risikominimierung ergriffen werden. Kommt die DSFA zu dem Ergebnis, dass die Risiken trotz aller Schutzmaßnahmen nicht auf ein vertretbares Maß reduziert werden können, ist der Betrieb der Fanseite einzustellen.
Aktuelle Entwicklungen und Rechtsprechung
Die Rechtslage rund um Facebook-Fanseiten entwickelt sich ständig weiter. Im Juli 2023 traf der EuGH eine weitere wichtige Entscheidung zur Verantwortlichkeit von Fanseiten-Betreibern (Rechtssache C-252/21). Das Gericht bestätigte die gemeinsame Verantwortlichkeit und stellte klar, dass Fanseiten-Betreiber die Einhaltung der DSGVO aktiv sicherstellen müssen und sich nicht allein auf die Zusagen von Facebook verlassen dürfen.
Zudem hat der EU-US Data Privacy Framework (EU-US-Datenschutzrahmen) seit Juli 2023 die Voraussetzungen für Datenübermittlungen an US-Unternehmen wie Meta neu geregelt. Ob dieser Rahmen langfristig Bestand haben wird, bleibt abzuwarten, zumal bereits Klagen gegen den Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission angekündigt wurden. Unternehmen sollten daher weiterhin vorsichtig agieren und alternative Kommunikationskanäle in Betracht ziehen.
Zusammenfassung und Ausblick
Die datenschutzrechtliche Bewertung von Facebook-Fanseiten bleibt auch Jahre nach dem wegweisenden EuGH-Urteil ein dynamisches Rechtsgebiet. Klar ist: Betreiber von Fanseiten tragen als gemeinsam Verantwortliche eine Mitverantwortung für die Datenverarbeitung durch Facebook. Sie müssen die DSGVO-Anforderungen einhalten, auch wenn sie die technische Datenverarbeitung nicht selbst kontrollieren können.
Für Unternehmen empfiehlt sich eine pragmatische Vorgehensweise: Dokumentieren Sie die Risiken, treffen Sie alle zumutbaren Maßnahmen zur Risikominimierung und prüfen Sie regelmäßig, ob alternative Kommunikationskanäle eine bessere datenschutzrechtliche Bilanz bieten. Die Entwicklung der Rechtsprechung und die Aktivitäten der Aufsichtsbehörden sollten aufmerksam verfolgt werden, um bei Bedarf schnell reagieren zu können.
Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen in Dresden und Sachsen kann die datenschutzkonforme Gestaltung von Social-Media-Auftritten eine Herausforderung darstellen. Ein externer Datenschutzbeauftragter kann hier wertvolle Unterstützung leisten, indem er die aktuelle Rechtslage analysiert, konkrete Handlungsempfehlungen gibt und die Umsetzung begleitet.
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Konsequenzen für Unternehmen mit Facebook-Präsenz
Die Diskussion um die Facebook-Fanseite der Bundesregierung hat unmittelbare Auswirkungen auf alle Unternehmen und Organisationen, die eine Facebook-Präsenz betreiben. Nach der Rechtsprechung des EuGH sind Betreiber von Facebook-Fanseiten gemeinsam mit Meta (ehemals Facebook) für die Datenverarbeitung verantwortlich. Dies bedeutet, dass jeder Fanseiten-Betreiber die datenschutzrechtlichen Anforderungen der DSGVO erfüllen muss, auch wenn er keinen direkten Einfluss auf die Datenverarbeitung durch Meta hat.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine schwierige Situation: Einerseits ist eine Social-Media-Präsenz aus Marketing-Gesichtspunkten oft wichtig, andererseits ist der datenschutzkonforme Betrieb einer Facebook-Fanseite nach aktueller Rechtslage kaum möglich. Die Datenschutzkonferenz (DSK) hat hierzu mehrfach Stellung genommen und festgestellt, dass die von Meta bereitgestellten Informationen nicht ausreichen, um die gemeinsame Verantwortlichkeit datenschutzkonform auszugestalten.
Handlungsoptionen für Fanseiten-Betreiber
Unternehmen, die ihre Facebook-Fanseite weiter betreiben möchten, sollten folgende Maßnahmen ergreifen: Zunächst muss die Datenschutzerklärung der eigenen Website einen ausführlichen Hinweis auf die Facebook-Fanseite und die damit verbundene Datenverarbeitung enthalten. Außerdem sollte auf der Fanseite selbst ein Datenschutzhinweis veröffentlicht werden, der die Nutzer über die gemeinsame Verantwortlichkeit informiert.
Es ist außerdem ratsam, die Nutzung der von Facebook bereitgestellten Insights-Funktion kritisch zu hinterfragen. Diese Funktion ermöglicht detaillierte Statistiken über die Besucher der Fanseite, basiert jedoch auf einer umfangreichen Datenverarbeitung durch Meta. Unternehmen sollten dokumentieren, welche Insights sie nutzen und auf welcher Rechtsgrundlage dies geschieht. Ein aktuelles Verarbeitungsverzeichnis ist dabei nötig.
Auswirkungen auf andere Social-Media-Plattformen
Die Problematik beschränkt sich nicht auf Facebook allein. Auch bei anderen Social-Media-Plattformen wie Instagram, LinkedIn, TikTok oder X (ehemals Twitter) stellen sich ähnliche datenschutzrechtliche Fragen. Überall dort, wo eine gemeinsame Verantwortlichkeit zwischen dem Plattformbetreiber und dem Seitenbetreiber besteht, müssen die Anforderungen der DSGVO eingehalten werden.
Unternehmen sollten ihre gesamte Social-Media-Strategie einer datenschutzrechtlichen Prüfung unterziehen und abwägen, welche Plattformen sie unter den gegebenen Umständen weiter nutzen wollen. Eine vollständige DSGVO-Beratung kann helfen, die Risiken zu bewerten und eine rechtssichere Social-Media-Strategie zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, Social Media grundsätzlich abzulehnen, sondern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Daten der Nutzer sicherzustellen und das Haftungsrisiko für das eigene Unternehmen zu minimieren.
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